Die Reise nach Chiayi – oder wie uns fast die Luft ausgegangen ist

Zugegeben der Start heute war schleppend! Wir haben bei Freunden von Ben in Taichung geschlafen und es ist spät geworden. Übermüdet haben wir auf der Straße chinesisch gefrühstückt und sind dann aufgebrochen nach Chiayi. Etwa 100 Kilometer entfernt.

Weil uns die Strecke am Tag zuvor oft einfach nur entlang der Landstraße geführt hat, wählen wir eine neue Route. Nicht entlang der Küste, sondern durch die Berge. Ein gutes Training für das, was uns noch erwartet! Dachten wir.

Heisser, weiter, steiler!

Wie an dem Tagen davor zieht sich die Ausfahrt aus Taichung – wir fahren fast zwei Stunden bis sich der urbane Großraum der zweitgrößten Stadt Taiwans langsam lichtet.

Am Horizont können wir die Berge zwar schon sehen, aber wir sind noch lange nicht da. Das ändert sich nach drei Stunden, da folgt ein Aufstieg nach dem anderen. Wir radeln von Dali nach Caotun über Nantou. Um uns zu stärken kehren wir in Momotaro in einem Restaurant an der Landstraße ein. Es gibt Huhn – offenbar die örtliche Spezialität hier, denn auf dem Weg haben wir schon zig andere Hühnerrestaurants mit Brennholz vor dem Eingang gesehen. Wir sind neugierig und denken an ein leichtes Mittagessen. Was wir bekommen haben, war das:

Ein ganzes Hähnchen – geräuchert in einem Tonkrug!

Gut gestärkt machen wir Strecke und strampeln uns auch die Berge langsam hinauf und was noch mehr Spaß macht: Wir fahren Sie rasant wieder hinunter.

Es ist schon dunkel als Laurence genau das passiert, was Ben gestern durchleben musste. Die Luft ist raus, der Hinterreifen platt.

Vor einem 7/11-Minisupermarkt wechseln wir mühevoll und mit der tatkräftigen Unterstützung von ein paar Mofa–Mechanikern den Schlauch. Nach einer Stunde rollen wir weiter – und sind praktisch auf der Zielgeraden. Die letzten 20 Kilometer. Doch dann schon wieder: Der Reifen schon wieder platt! Frust! Wir schieben weiter. Zum Glück gibt es einen Fahrradladen in der Nähe, die Mechanikerin nimmt sich trotz nahendem Feierabend viel Zeit, wechselt den Reifen kostenlos und setzt einen neuen Schlauch ein. Dann checkt sie unsere beiden Räder noch einmal durch. Die große Hilfsbereitschaft der Taiwanesen beeindruckt uns jeden Tag neu!

Was für ein Puppentheater

Kurz nach dem ersten und vor dem zweiten Plattfuß, wir fuhren gerade nach Chiayi ein, stießen wir auf etwas Kurioses: Puppentheater auf der Straße.

Über mehrere hundert Meter waren Dutzende Wagen mit Puppentheater-Bühnen aufgestellt. Aus jedem einzelnen dröhnte laute Musik im Pekingoper-Stil und jeweils eine Frau oder ein Mann pro Wagen spielte die Puppen. Wir konnten gar nicht glauben, was wir sahen. Es gab keine weiteren Zuschauer, wir waren weit und breit die einzigen, Autos und Roller fuhren einfach an dem Spektakel vorbei. Handelt es sich um ein Relikt aus der Vergangenheit? Warum tun sie das und für wen? Wir können uns keinen Reim darauf machen.

Wir mussten übrigens tatsächlich bis nach Chiayi radeln, um die bislang beste Rindernudelsuppe seit unserer Ankunft zu essen – da sind wir beide einer Meinung.

Das taiwanesische Nationalgericht war dampfend heiß: dicke, dunkle, würzige Brühe, bissfeste Nudeln, zartes Rind. Genau das richtige nach einem langen Tag auf dem Rad.

Ein Gedanke zu “Die Reise nach Chiayi – oder wie uns fast die Luft ausgegangen ist

  1. Klingt gut, vor allem das Puppentheater aus der Anderswelt. Vielleicht ist es die versprochene Betelnuss-Halluzination. Könnt ihr schon das Licht riechen.
    Einmal Fleisch mit Fahrradschlauch.
    Ich hoffe, ihr könnt eure Trikots gut durchwaschen. Will jetzt auch in der Hitze Fahrrad fahren, also macht ihr alles richtig.
    Grüße aus dem M41. Auch immer wieder eine Puppenspielershow, Wahnsinn.
    Grüße an Reifenmeister Hu.

    Liken

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